Was bleibt von einer Berührung? Welche Geschichten tragen Materialien in sich?
Mit „Was getragen wird.“ zeigt Adriana Ellermann eine begehbare Installation aus handgeschöpftem Papier, das aus recycelter Kleidung von Kindern und Eltern gefertigt wurde. Aus ehemals getragenen Textilien entsteht ein neues Material, das Spuren von Nähe, Fürsorge und gemeinsam gelebter Zeit in sich bewahrt. Was den Körper einst umhüllte, schützt und begleitet hat, wird in eine neue Form überführt und erhält eine andere, nun räumliche, Präsenz.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Frage nach Assoziationen, die in Materialien eingeschrieben werden. Kleidung ist weit mehr als ein alltäglicher Gebrauchsgegenstand: Sie nimmt die Form des Körpers an, trägt Spuren von Bewegung, Berührung und Nähe und begleitet Menschen durch verschiedene Lebensphasen. Besonders Kinderkleidung erzählt von Wachstum, Fürsorge und Vergänglichkeit der Augenblicke – von einer Zeit, in der sich Beziehungen durch alltägliche Gesten des Anziehens, Tragens und Umsorgens ausdrücken.
Durch den Prozess des Papierschöpfens verlieren die Textilien ihre ursprüngliche Form. Dennoch bleiben sie als materieller Träger ihrer Geschichten erhalten. Fasern, die einst Teil eines Kleidungsstücks waren, verbinden sich neu zu einer gemeinsamen Oberfläche. Die Transformation macht sichtbar, dass Erinnerungen nicht allein in Bildern oder Erzählungen fortbestehen, sondern auch in den Dingen, die uns umgeben und begleiten.
Die intensive blaue Farbigkeit schafft einen atmosphärischen Raum. Blau wird dabei zum verbindenden Element – es vermittelt Ruhe, Weite und Konzentration und lenkt den Blick auf Materialität, Licht und Struktur. Die Installation eröffnet einen Ort des Innehaltens, an dem die Besucher*innen eingeladen sind, sich durch den Raum zu bewegen und den Qualitäten des Materials zu begegnen.
„Was getragen wird.“ versteht Material nicht als statischen Werkstoff, sondern als Träger. Die Arbeit macht erfahrbar, wie sich persönliche Assoziationen in Stoffen einschreiben und durch ihre Transformation weitergetragen werden können. Zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Körper und Raum entsteht ein stiller Dialog über Verbundenheit – und darüber, was bleibt, wenn das Getragene seine ursprüngliche Form hinter sich lässt.
Datum So | 19.07.2026 bis So | 26.07.2026
Eröffnung Sa | 18.07.2026 | 14:00 Uhr bis 22.00 Uhr
Öffnungszeiten So – Fr | 14:00 – 20:00 Uhr; Sa | 25.07. & So | 26.07., 11:00 – 20:00 Uhr
Ort: A.U1_22 - Studienwerkstatt Papier, AdBK München Altbau
Bei Fragen gerne fragen unter: