Die diesjährige Freifläche des Kolosssaals wird von Gregory Borlein und Xenia Boytsova bespielt.
JERICHO
Rauminstallation und Performance von Gregory Borlein
Im Koloss-Saal der Akademie der Bildenden Künste München zeigt Gregory Borlein die Arbeit „Jericho“. Die Installation versammelt Werke der vergangenen Jahre – von Ölmalerei bis hin zum Siebdruck – und verdichtet sie in einer Mischung aus Petersburger Hängung und Collage zu einer großen, fließenden Bildfläche.
Diese dichte Wand aus unterschiedlichen Formaten und Techniken spiegelt die vielen Eindrücke, das komplexe Weltgeschehen und die Reizüberflutung unserer Zeit wider.
Die entstandene Bildwand ist jedoch nicht als starres Hindernis gedacht. Täglich von 17:00 bis 19:00 Uhr wird die Installation durch wechselnde Performances aktiviert. Mit verschiedenen Instrumenten, Texten und Klängen entsteht ein direkter Dialog mit dem Raum.
Hier greift der Titel der Arbeit: Ähnlich wie in der biblischen Erzählung von Jericho, in der Mauern allein durch Klang zu Fall gebracht wurden, sucht die Performance nach Wegen, Verhärtungen aufzubrechen. Der Sound soll die Dichte der Bilderwand symbolisch durchlässig machen – nicht im Sinne einer Zerstörung, sondern als ruhiger Versuch, Raum für etwas Neues und Verbindendes zu schaffen.
„Jericho“ ist der persönliche Wunsch, die Geschehnisse der Welt spirituell zu verarbeiten und der Komplexität mit einem Moment der Offenheit und Hoffnung zu begegnen.
ZWISCHEN DEN TAGEN
Studien, Grafiken, Klang von Xenia Boytsova
Eine wiederkehrende Übung bildet den Rahmen der Arbeit. Sie schafft Bedingungen für eine Aufmerksamkeit, die sich über Zeit hinweg schult und ein Formgefühl entwickelt. Das Regelwerk legt keine Form fest. Es eröffnet einen Raum, in dem Ordnung gefunden werden kann. Form entsteht nicht aus einer Idee, sondern aus einer über Zeit geübten Aufmerksamkeit.
Die Ausstellung versammelt Arbeiten aus einem fortlaufenden Arbeitsprozess. Gezeigt werden tägliche Studien als Ausschnitt eines 420-tägigen Zyklus, zwölf Grafiken sowie eine Klangarbeit. Die Studien geben Einblick in den Prozess, während die Grafiken und die Klangarbeit als eigenständige Werke aus derselben Aufmerksamkeit hervorgehen.
Zwischen Wiederholung und Präsenz, Form und Leere, Klang und Stille entfaltet sich die Ausstellung als eine Architektur der Aufmerksamkeit. Sie eröffnet einen Raum, in dem Aufmerksamkeit zur Erfahrung wird und Form erscheinen kann.