• (Close up)Alfa, Bravo, Charlie, Alfa, Beta, Charlie
    Amelie Cha
    selected good things made in west germany for living and working in the light of some enlightenment and a laser, kat.-nr.56286, 52560, 52530
    Max Frohn
    Just as children endlessly repeat gestures that give them pleasure
    Chalo Schwaiger
    Bauernbank 1 Bauernbank 2
    Maxi Friedl
    (Close up)tor 3; over it, past it, through it
    Gina-Marie Bross
    Satzung, Flur-Nr.1461:2
    Hannah Sperandio
    (Close up)WOMEN OF YESERÍAS-
    Laura Buecheler
    verkehrt
    Elias Heindl
    Strang 1, Strang 2, Strang 3, Strang 4, Strang 5
    Helena Nowotny

Klasse New Genres | Kunstpädagogik, Prof. Tanja Widmann

Kuratiert von Franziska Sophie Wildförster

 

Short Circuits evoziert unsichtbare Architekturen und Dynamiken, die

den Ausstellungsraum und den Alltag durchdringen–unter unseren

Füßen, in unseren Köpfen, in unseren Begierden, als auch auf unseren

Zungen–und so vertraut sind, dass sie sich dem Bewusstsein oft ent-

ziehen. Wenn Wahrnehmungen fragmentiert und entfremdet, Leben

zunehmend vermessen und vereinheitlicht, tiefes zeitliches Bewusstsein

durch Nostalgie in endlosen Schleifen des Hier und Jetzt ersetzt, und

Visionen der Zukunft von Transaktionen abgelöst werden, erfordert

es–so die Annahme–Unterbrechungen des stetigen Flusses, der Sprache,

Formen, Körper und Erlebtes ungehindert filtert und verwertet.

 

Die Gruppenausstellung ist eine temporäre Rahmung für unterschied-

liche künstlerische Verhandlungen, die im Dialog mit der Frage, wie

und worin das Politische der Kunst heute zu verorten sei–also Fragen

über den gesellschaftlichen Wert von Kunst, ihre Eigenlogik und Hand-

lungsräume–entstanden sind. Im Bewusstsein darüber, dass das, was wir

als “Wirklichkeit” begreifen und unser Zugang zur Welt, bereits durch

Zeichen, Begriffe und kulturelle Kontexte vermittelt sind, sind Sprache

und Kategorisierungen, in Short Circuits, nicht fixiert oder sichergestellt.

Viele der Arbeiten widerstreben dem Politischen als Referenz und he-

ben stattdessen spezifische Verkörperungen und das, was sich zwischen,

außerhalb und an den Grenzen von Repräsentationen, Formen und ge-

wohnten Wahrnehmungen abspielt, hervor. Die materiellen, räumlichen,

visuellen und unterschwelligen Überschreitungen in Short Circuits ver-

weigern sich fixierten Bedeutungen und setzen stattdessen Störungen

der Syntax und Rahmungen von Erfahrungen selbst in Gang.

 

Short Circuits geht davon aus, dass Ordnungssysteme und das, was sie

sichtbar machen–auch im Rahmen der Kunst–immer Gefahr laufen, zu

unterbinden, was nicht ihrer Logik entspricht. Ein prägnantes Bei-

spiel ist die Erfindung der Zentralperspektive in der Renaissance, die

den Raum durch rationale und dualistische Parameter definiert und das

Subjekt, dessen Auge und fälschlichen Universalitätsansprüche als Mit-

telpunkt der Welt erfasst. Die Spaltung des Körperlichen vom Visuellen

und die Verdrängung von materiellen Unvorhersehbarkeiten und Über-

schüssen schreitet heute in vielen Bereichen unserer Wahrnehmung fort,

sei es in dem Bedürfnis der restlosen Einordnung von Kunst oder, im

Alltag, in einer automatisierten Spirale von Konsum und Produktion

von entfremdeten und doch verführerischen Strömen von Bildern und

Informationen.

 

Die vielfältigen Arbeiten in Short Circuits scheinen gemeinsam zu

haben, dass sie versuchen, in die vielschichtigen institutionellen, his-

torischen und materiellen Wechselwirkungen und Widersprüche zwi-

schen den Räumen der Kunst und jenen der Gesellschaft, von welchen

sie geformt werden, durch Kurzschlüsse, Umleitungen und Störungen

im Kreislauf, zu intervenieren. Neben materiellen, räumlichen, affek-

tiven und formalen, sind es auch die zeitlichen Destabilisierungen, die

Entropie (also Unordnung), oft gewaltsam Verdrängtes, Differenz und

auch Fleischliches unter den Systemen und linearen Abfolgen ununter-

brochener Betriebszyklen der techno-kapitalistischen Wertschöpfung

hindurchscheinen und entgleiten lassen.

 

Die versammelten Arbeiten stehen im Dialog mit der Reihe “Das

Politische der Kunst”, die vom Wintersemester 2024/2025 bis Sommer-

semester 2026 in der Klasse New Genres | Kunstpädagogik in Kollabo-

ration mit Franziska Sophie Wildförster stattgefunden hat.