HOTEL AS STAGE
Ein Hotel ist mehr als ein Gebäude zur vorübergehenden Unterbringung. Es ist ein Ort des Ankommens und Verschwindens, des Beobachtens und Beobachtetwerdens, des Rückzugs und der Begegnung. Ausgehend von filmischen Hotelräumen untersuchten die Studierenden das Hotel als räumliche Inszenierung und entwickelten Konzepte für die Transformation eines ehemaligen Verwaltungsgebäudes an der Münchner Arnulfstraße. Im Zentrum standen die Atmosphäre des Ortes, die Dramaturgie der Raumabfolgen und das Hotelzimmer als Ausgangspunkt einer neuen architektonischen Identität.

Modellfoto: Lilli Hotz, Yara Reinert
Hotels sind besondere Orte. Sie sind gleichzeitig öffentlich und privat, vertraut und fremd, alltäglich und außergewöhnlich. Menschen kommen an, bleiben für eine begrenzte Zeit und verschwinden wieder. Sie begegnen einander in Lobbys, Korridoren, Restaurants oder Aufzügen, ziehen sich in ihre Zimmer zurück und werden Teil einer Gemeinschaft auf Zeit. Kaum eine andere Gebäudetypologie verbindet so unterschiedliche räumliche Situationen und atmosphärische Zustände miteinander.
Unter dem Titel „HOTEL as STAGE" beschäftigte sich das Semesterprojekt mit der Transformation eines ehemaligen Verwaltungsgebäudes an der Arnulfstraße in München in ein Hotel. Der aus den späten 1960er-Jahren stammende Bau wurde dabei nicht allein als funktionale und konstruktive Struktur verstanden, sondern als vorhandene Bühne, deren räumliche, materielle und atmosphärische Eigenschaften entdeckt, interpretiert und weiterentwickelt werden sollten.
Am Anfang des Projektes stand die Untersuchung ausgewählter Filme, in denen Hotels eine zentrale Rolle spielen. In Zweiergruppen analysierten die Studierenden, wie Räume, Licht, Material, Bewegung, Geräusche und filmische Perspektiven bestimmte Stimmungen erzeugen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse wurden in Zeichnungen und einem kurzen Atmosphären-Trailer gestalterisch übersetzt und verdichtet. Ziel war es, den Hotelraum nicht nur typologisch zu betrachten, sondern als dramaturgische Abfolge räumlicher und atmosphärischer Situationen zu verstehen.
Im zweiten Schritt wurde das Bestandsgebäude intensiv untersucht. Neben seiner Konstruktion, Erschließung und räumlichen Organisation standen insbesondere individuelle Lesarten des Hauses im Mittelpunkt. Die Studierenden entwickelten eigene, teilweise künstlerische Analyseformen, um verborgene Qualitäten, Eigenheiten und Potenziale des Bestands sichtbar zu machen. Das Gebäude sollte nicht neutral überschrieben, sondern als eigenständiger Partner des Entwurfs verstanden werden. Seine vorhandenen Strukturen, Materialien und räumlichen Bedingungen bildeten den Ausgangspunkt für unterschiedliche Strategien des Weiterbauens, Überlagerns und Transformierens.
Ausgangspunkt des anschließenden Entwurfs war das Hotelzimmer. Als kleinste räumliche Einheit und unmittelbarster Ort des Aufenthalts wurde es zum Generator für das gesamte Projekt. Aus seiner Atmosphäre, Nutzung und konstruktiven Logik entwickelten die Studierenden Konzepte für Regelgeschosse, Erschließungsräume, gemeinschaftliche Bereiche und Fassaden. Dabei galt es, eine präzise Beziehung zwischen dem einzelnen Zimmer, dem Bestandsgebäude und der übergeordneten Idee des Hotels herzustellen.
Entstanden sind unterschiedliche Vorstellungen davon, was ein Hotel heute sein kann: temporärer Rückzugsort, soziale Bühne, atmosphärische Erfahrungswelt oder offene Struktur für wechselnde Formen des Wohnens, Arbeitens und Zusammenkommens.
Lehrstuhlvertretung Georg Brennecke
Künstl. Mitarbeiter Sam Hosseini
Studierende
Lara Engl, Luca Grimaldi, Leonie Hahn, Helene Hipper, Lilli Hotz, Veit Jörgensen, Anna Krause, Viktoriia Landeis, Johannes Meissner, Alexaroma Mondelli, Lena Pestenhofer, Sartika Pusl, Yara Reinert, Anton Scholz, Zara Watamaniuk
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